Lesco und die Scharfe

Im Sommer 2006 sollte Lesco das erste Mal Kontakt mit Schafen aufnehmen…

Irgendwie hatte ich das Gefühl, Lesco etwas zurückgeben zu wollen für das, was er mir gibt und was er mir bedeutet und für das Leben, das ich vor allem seinetwegen so führe wie ich es tue und das ohne ihn gaaaanz anders aussehen würde. Also durchaus menschliche Gefühle, die mich antrieben, ein Hüte-Seminar zu besuchen – fasziniert aber war ich schon immer, wenn ich Border Collies in TV-Berichten oder live hüten sah…

Also hin in das schöne Dorf Brokeloh und nach einer Begrüßung unserer Seminarleiterin Gesa und kleiner Vorstellungsrunde ging es auch direkt hin zu den Schafen….

Man stelle sich vor:

Gesa und ich gehen in Richtung kleiner Schafherde, Lesco hinterher….kommen bei den Schafen an -und Lesco: wußte mit diesen Tierchen überhaupt nichts anzufangen! – Auch meine aufmunternden Worte halfen da nix – immer der fragende Blick: “Hm, und was soll das werden?? Was soll ich tun?? Warum gibst Du denn keine Kommandos?? Was soll ich tun??” Ehrlich, man konnte diese Fragen fast hören – so eindeutig wurden sie gesendet. Dann hat Gesa erstmal ein Lämmchen genommen und mich das streicheln und Lesco beschnuppern lassen. Als Lesco etwas weniger Scheu vor dem Lamm zeigte und ich ihm pausenlos erzählte, wie toll dieses Tierchen doch sei, hat Gesa es losgelassen – das ist natürlich (ob mit oder ohne “Hütehund” im Nacken) sofort ab zur Herde… und Lesco hinterher… – so erging es einigen Lämmern.

Beim nächsten Besuch an der Herde sah man doch schon, daß Lesco das sooo übel nicht mehr fand, entweder einem Lämmchen hinterherspringen oder aber um die Herde herumrennen und fein aufpassen, daß keiner diese verläßt. Aber dieses Gefühl, daß ich hätte sagen können, ja, das ist etwas, was meinen Hund rundum glücklich macht bzw was er braucht – nein, das stellte sich leider nicht ein. Jeder Tag dieses Wochenendseminar hatte pro Hund 3 Besuche an den Schafen – ich hätte nie gedacht, daß manche Besuche so kurz wären, weil die Konzentration total schnell weg war..

Am zweiten Tag dann sollte man die Schafe mit Hilfe des Hundes durch bestimmte “Tore”, die aus kleinen rot/weiß gestreiften Pylonen bestanden, führen. Auf dem Weg zu den Schafen auf der Koppel rannte Lesco schon mal vor – um ein hervorragendes “Steh” an einer dieser Pylonen zu zeigen. War es möglich??wie kann ein Border mit einer Schafherde vor der Nase an Obedience denken????? Da hatte ich spätestens die ersten Zweifel daran, daß ich nun unbedingt ein paar Schafe für Lesco organisieren müßte

Nur wenige Wochen später besuchte ich das gleiche Seminar noch einmal – ich konnte es nicht glauben, daß Lesco diese Schafe so rein gar nichts bedeuten sollten…

Natürlich hatte er dieses Mal nicht diese starken Berührungsängste mit den Schafen wie das Mal zuvor und was Lesco von manch anderem Hund unterschied war sein großer Gehorsam (der aber bestimmt auch daher rührte, daß er die Schafe eher als “neue Aufgabe” statt als “Leidenschaft” ansah, wie es bei vielen anderen Hunden der Fall war) und sein “walk on” rührte mich zutiefst, hielt er doch von ganz alleine “seinen” Abstand zur Herde…. – aber auch an diesem Sonntagabend, als das Seminar endete, hatte ich das Gefühl: nein, dieser Hund braucht keine Wollieferanten, um “glücklich” zu sein.

Was ich persönlich sehr schade finde, denn wie schon gesagt, ich finde das “Hüten” enorm faszinierend und hätte es ganz toll gefunden, hier noch etwas Neues für Lesco und mich entdecken zu können! Und Gesa sagte mir auch, daß Lesco wohl zu den Hunden gehören würde, mit denen man ganz behutsam und geduldig vor gehen müßte, bis er selbst die “Faszination Schaf ” bei sich entdecken würde (hoffe, ich habe das so richtig verstanden?! und wiedergegeben) Aber so einfach ist es ja nun auch nicht, das mit dem Hüten und den Möglichkeiten dafür usw usw….hätte ich bei Lesco ein bißchen mehr “Leidenschaft” entdecken können, ich hätte sonst was auf die Beine gestellt, um ihm die regelmäßige Gelegenheit bieten zu können, aber so??

Abschließend möchte ich noch sagen, daß so ein Hüteseminar bei Gesa in Brokeloh Balsam für die Seele ist….die Koppeln, die Schafe, Gesas obersupertollen Hunde, das gemütliche Beisammensitzen, die leckeren Grillwürstchen, diese ganze entspannte Atmosphäre ohne jegliches Leistungsdenken, …..das hatte für mich weniger den Touch eines Seminars als vielmehr den eines “Erholungs-Urlaubs”.

Und ich glaube, für Lesco waren die zwei Wochenenden so was wie “Freizeitpark für Hunde”